Bettina Messinger SPD-Stadträtin in München   |   Sitemap   |   Impressum   |   Kontakt

November 2017 - Open Government Tag

Open Government Tag 2017 – Haltung zeigen. Zusammenarbeiten. Ausprobieren.

Geht öffentliche Verwaltung auch offen, transparent, innovativ und agil? Diese Frage stellte sich der diesjährige Open Government Tag am 12. Oktober 2017 im Saal des Alten Rathauses in München. Ausgangspunkt war die Digitalisierung. In diesem Jahr wurden aber weniger technische Trends, sondern der für die Transformation notwendige Kulturwandel und neue Formen der Zusammenarbeit thematisiert.

Informationen zum Open Government Tag 2017 findet man hier:
https://www.it-muenchen-blog.de

Eröffnung des Open Government Tages durch Stadträtin Bettina Messinger

Foto: Thomas Nagy

Foto: Thomas Nagy

Open Government Tag 2017 - der Film (Zusammenfassung)

Eröffnungsrede in Vertretung des Oberbürgermeisters Dieter Reiter

Sehr geehrte Damen und Herren,

Ich begrüße Sie sehr herzlich zum Open Government Tag 2017, der heuer bereits zum fünften Mal stattfindet.

Normalerweise würde ich jetzt ein paar Blätter auf das Pult legen. Heute möchte ich aber auf das Papier verzichten und modernere Technik benutzen. Ich hoffe, dass das auch funktioniert. Damit will ich dem Traum des papierlosen Büros wieder einmal ein kleines Stück näherkommen.

Dass mehrere meiner Stadtrats-Kollegen_innen heute ebenfalls anwesend sind, zeugt von der Wichtigkeit von Open Government für die Stadt München. Nur in einer transparenten, offenen Verwaltung gelingt es, sich als Behörde zum Wohle der Bürgerschaft stetig zu verbessern.

Das diesjährige Motto „Verwaltung innovativ denken. Offen. Kreativ. Agil.“ spricht die allerorts und viel zitierte „digitale Transformation“ an. Neue Technologien verändern erheblich die Art, wie wir arbeiten, leben und miteinander kommunizieren.

Die Diskussion dazu wird bisher aber vor allem in Bezug auf die Wirtschaft geführt: Drängende Fragen nach der Zukunftsfähigkeit der deutschen und auch Münchner Unternehmen werden gestellt. Es ist festzustellen, dass die digitale Transformation viele Firmen vor enorme Herausforderungen stellt. Genauso müssen aber drängende Fragen der Digitalisierung für die Beschäftigten beantwortet werden. Unsere Arbeitsschutzregelungen hinken hier noch weit hinterher.

Volles Haus beim Open Government Tag

Foto: Thomas Nagy

Foto: Thomas Nagy

Aber was ist eigentlich mit der öffentlichen Verwaltung? Man kann von außen betrachtet den Eindruck gewinnen, dass diese das Thema nur zögerlich angeht oder sogar den Standpunkt vertritt, dass der digitale Wandel nur eine Modeerscheinung ist, die vorbeizieht.

Dies ist ein Trugschluss. Gerade in der Verwaltung spielt der mit der Digitalisierung verbundene Wandel eine entscheidende Rolle. Die Frage ist, ob der öffentliche Dienst richtig aufgestellt ist, um darauf adäquat zu reagieren? Und ob auch überall erkannt wird, dass die Digitalisierung die eigene Arbeit unterstützen und erleichtern kann?

Denn im Alltag der Menschen hat die Digitalisierung längst Einzug gehalten. Die Bürger_innen sind es gewohnt, ihre Bankgeschäfte per App zu erledigen, per Smartphone für den Flieger einzuchecken, nachzusehen wo das nächste Mietrad steht oder sich online in Chats und den sozialen Netzwerken zu informieren und auszutauschen.

Für Unternehmen bringen eine digitale Infrastruktur sowie schnelle und transparente Verwaltungsverfahren wichtige Standortvorteile. Insgesamt steigt die Nachfrage der Bürger_innen und der Wirtschaft nach Online-Services und -Kommunikationsmöglichkeiten mit Behörden stetig und rasant.

Es kann ohne Zweifel festgestellt werden, dass nur die Kommune langfristig als attraktiv und erfolgreich gelten wird, die die Bedürfnisse der Bürger nach digitalen und transparenten Verwaltungsleistungen erfüllt, eine klare Antwort auf die demografische Entwicklung findet und sich zukunftsfähig entwickelt.

Es gilt, alle Beteiligten dabei mitzunehmen. Dies beinhaltet Beratung und Unterstützung der Kunden und Mitarbeiter_innen bei analogen und digitalen Anträgen und Serviceleistungen der Verwaltung.

Diese Herausforderungen lassen sich aber nicht allein durch IT-Lösungen erfüllen.

Die Politik, Führungskräfte und Mitarbeiter_innen benötigen viel mehr ein „digitales Mindset.“ Was ich damit meine, meine sehr geehrten Damen und Herren, ist eine neue Behördenkultur.

Diese beinhaltet vor allem

das Mitdenken von E- und Open-Government bei der täglichen Arbeit,

das Mitnehmen der Beschäftigten bei diesem Wandel,

das konsequente Handeln aus Nutzersicht bei der Etablierung neuer Services,

dass die Koproduktion mit den Bürgern_innen zur Selbstverständlichkeit wird,

eine ressort- und behördenübergreifende Kooperation im Sinne einheitlicher und ressourcenschonender Lösungen,

die Integration von Offenheit und Transparenz in die Behördenkommunikation,

sowie eine schnelle Reaktion und Integration von Innovationen, um Schritt halten zu können.

Die Behörden-Kultur muss Ausprobieren fördern, damit die Beschäftigten aus Fehlern lernen können. Starre Organisationsmodelle und das Festhalten an Zuständigkeiten und Prozessen haben hier keinen Platz mehr. Offenheit, flexiblere Strukturen, eine agile Arbeitsweise und die Weiterentwicklung von Management- und Führungskonzepten ist Voraussetzung, um die Verwaltung fit für das digitale Morgen zu machen.

Foto: Philipp von Derschau

Foto: Philipp von Derschau

Der Stadtrat der Landeshauptstadt München hat klargemacht, dass er München bei der digitalen Transformation in einer Vorreiterrolle sieht. Dahingehend ist bereits viel erreicht worden. Lassen Sie mich fünf Punkte erwähnen:

Seit Ende letzten Jahres können Wohnungssuchende freien Wohnraum online recherchieren. Die Plattform „SOWON – soziales Wohnen online“ ermöglicht die Suche nach passendem Wohnraum inklusive der Kontaktaufnahme zum Vermieter. Im Amt für Wohnen und Migration wurden für die Nutzung dieses Services mehrere Bürgerterminals bereitgestellt.

Auch das Stadtarchiv ist digital durchsuchbar. In den zahlreichen Dokumenten und Publikationen kann online recherchiert werden.

Erstmals hat die Stadtverwaltung 2017 gemeinsam mit der Volkshochschule München in einem BarCamp mit den Bürger_innen über die digitale Stadt diskutiert. In diesem offenen Format konnten alle Teilnehmenden auf Augenhöhe Ideen einbringen und Vorschläge diskutieren. Die Rückmeldungen waren positiv, so dass wir dies wiederholen werden.

Zusammen mit den Städten Wien und Lyon wird das Projekt „Smarter Together“ vorangetrieben. Unter dem Schlagwort „Smart City“ ist neben den zentralen Themen Energie und Mobilität die Beteiligung von Bürgerschaft und Wirtschaft ein zentrales Element.

Natürlich funktioniert noch nicht alles perfekt und wir würden uns an mancher Stelle wünschen, weiter vorangekommen zu sein. Insbesondere müssen wir an der Medienbruchfreiheit arbeiten. Das Projekt E- und Open-Government bereitet aber aktuell einen Stadtratsbeschluss vor, der wichtige und notwendige Weichen für die Zukunft stellt.

Neben diesen Beispielen und positiven Entwicklungen gibt es aber auch Hindernisse auf dem Weg der digitalen Transformation: Vielen geht es zu schnell. Sie verstehen die neuen Technologien nicht oder haben Angst vor Veränderung.

Umso wichtiger ist es, miteinander ins Gespräch zu kommen. In diesem Sinne bietet der Open Government Tag eine einmalige Plattform im öffentlichen Sektor, sich über die neuesten Trends und Entwicklungen zu informieren, sich auszutauschen und voneinander zu lernen.

Das Feedback zu den Open Government Tagen der vergangenen Jahre war überaus positiv. Die Teilnehmenden haben die Veränderungen im Zuschnitt und Format der Veranstaltung des letzten Jahres zudem sehr gut angenommen. Ein sicheres Zeichen dafür ist auch, dass Sie alle wieder so zahlreich erschienen sind.

Auch dieses Jahr gibt es Neues zu entdecken. So bietet der Marktplatz erstmals die Möglichkeit, sich bei ausgewählten Projekten und Anbietern aus erster Hand zu informieren. Ich begrüße in diesem Zusammenhang die Kollegen_innen des Bundesministeriums des Inneren, die über Neuigkeiten in Bezug zu „Open Data“ aufklären. Daneben stehen Ihnen Aussteller zu den Themen Visualisierung von Haushaltsdaten, Bürgerbeteiligung und Behördenkommunikation Rede und Antwort. Nutzen Sie diese Gelegenheit!

Sie erwartet ein interessanter und spannender Tag mit hochkarätigen Referentinnen und Referenten. Sie werden neben der Öffnung und Transparenz der Verwaltung im Sinne des Open Governments auch moderne Formen der Behördenkommunikation via Chat und neue Arbeitsweise und Methoden unter dem Stichwort „New Work“ vorstellen. Mit dem Impulsdialog am Nachmittag versucht der Open Government Tag auch den Status Quo der digitalen Transformation in den Verwaltungen kritisch zu hinterfragen. Nutzen Sie die Möglichkeit, mit den Experten und vor allem auch miteinander zu diskutieren.

Damit heiße ich Sie nochmals herzlich willkommen zum Open Government Tag 2017 im schönen München und wünsche Ihnen nun allen eine erfolgreiche Tagung, spannende Vorträge und interessante Diskussionen.

Einführung in das Thema: Stadträtin Bettina Messinger in Vertretung des Oberbürgermeisters